Die Jugend von Heute

von | 1. Aug 2019

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Weißt du, wer das bereits gesagt hat? Oder findest du dich vielleicht in der ein, oder anderen Aussage selbst wieder? Das Zitat stammt von Aristoteles, dem griechischen Philosophen der von 469 bis 399 Jahre vor Christus gelebt hat. Ich finde es erstaunlich, wie sehr dieses Zitat immer wieder in jede Epoche unserer Menschheitsgeschichte übertragen wird. Gleichgültig, wie über die 68er Generation gedacht wurde, oder zu der Zeit als ich aufwuchs, in den Neunzigern. Als die Musikrichtung Grunge die Welt eroberte und die jungen Leute zerrissene Jeans mit Flannelhemden trugen. Die Jugend war verschrien als ´faule Bande`. Die heutige Jugend darf sich anhören, dass sie sowieso nur an den Smartphones hängt, wie der Junkie an seiner Spritze und nichts anderes zu Wege bringt, außer sich abzulenken.

Doch genau das Gegenteil von all dem ist auch wahr. Die jungen Generationen müssen sich doch ausprobieren dürfen. Tun was Ihnen Freude macht. Dafür haben wir hier im Westen ja unser System aufgebaut, das auf der Freiheit des Individuums begründet ist. Die Jugend muss und soll und darf anders sein, als die alten und früheren Generationen. Ansonsten würde es ja keinen Fortschritt geben.

Ich komme zu all diesen Gedanken, weil ich im Moment, als ich diese Zeilen schreibe, mit zwölf wundervollen jungen Menschen einen MFL Jugend Workshop feiern darf. Zwölf junge Menschen die unterschiedlicher nicht sein könnten und die trotzdem so viel gemeinsam haben. Enthusiasmus, wenn sie spüren, dass sie gesehen werden. Liebe für die Anderen die da sind. Keiner wird ausgeschlossen oder gemobbt, sondern alle sind mittendrin und entscheiden freiwillig, ob sie am Abend mit spazieren gehen, oder mit Karten spielen, oder lieber auf dem Zimmer sind. Zwölf unterschiedliche Jugendliche, wo ein jeder so großartige, intuitive Fähigkeiten hat, dass mir der Mund offen stehen bleibt. Zwölf junge Menschen, die alle Lust haben Selbstvertrauen zu tanken und sich zu zeigen. Ich bin immer wieder bei unseren Jugend Workshops so berührt, wie sehr die Jugendlichen sich öffnen, sich zeigen und mit dem Herzen dabei sind.

Ich werde auch öfter mal von Erwachsenen gefragt: Wie das denn eigentlich ist, ob im Jugend Workshop alle nur mit dem Handy spielen? Und ich kann jedes mal stolz sagen, dass ich noch nie zu jemand, der im Kreis sitzt, sagen musste, leg bitte das Telefon weg. Weil eh niemand mit dem Handy in der Hand dasitzt. In unseren Workshops für die Erwachsenen läuten die Handys zwischendurch mindestens genauso oft wie hier, wenn nicht sogar öfter.

Seit ich unsere MFL Jugend Workshops leite, kann ich sagen, dass ich mir um unsere zukünftige Welt keine Sorgen mehr mache, denn hier kommt eine Generation, die genau weiß was sie will. Und in den meisten Fällen ist das der Wandel in unserer Welt. Ein Wandel den wir alle so dringend brauchen und nachdem wir lechzen. Die Veränderung in der Welt, hin zu mehr Liebe, Wahrheit, Schönheit, Freiheit, Offenheit und einem Miteinander das wieder von Wertschätzung getragen ist.

Die Jugend braucht Ermunterung und keine Schelte, dass sie nichts zu Wege bringt. Die jungen Menschen brauchen das Gefühl richtig zu sein und keine Besserwisser von vorgestern, die ihnen im Weg stehen und ihnen von oben herab sagen, dass sie keinen Respekt hätte. Lasst uns den jungen Menschen sagen, dass sie wundervoll sind, dass sie es gut machen, dass sie richtig sind. Dann kommt der Wandel in der Welt noch schneller und die älteren Generationen können die Jungen loben und mit ihnen feiern.

Florian Benjamin Struber

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